Das Orakel von Strausberg

MoinMittlerweile könnte Basist schon Wetten abschließen, wie sich das Ankommen eines Tauchgastes abspielt. Meistens ist es nämlich so: 1. „Tachchen” und unter Garantie 2. „Na, wie is denn nu so die Sicht heute?”. Und eigenartigerweise wird diese Frage in 77 % der Fälle von Ankommenden vor 9 Uhr morgens gestellt.
Da steht Basist nun mit seinem Eimer, dem Putzlappen, diesen wunderbaren Papierwischtüchern, ner Flasche Desinfektion vor dem Herrenklo und hört kein „Oh ich bin wohl etwas zu früh da”. Sein Hinweis, dass es doch erst um 8 Uhr ist, er mit beiden Armen in der Sch…. stecke und sich in 15 Minuten um diese lebenswichtige Frage kümmern kann, wird sanft mit einem „Ich bin ganz gut durchgekommen” beantwortet. Wieder einmal wundert sich Basist über diese Verkehrsarmut Sonntags früh, die einen so völlig unverhofft gut durchkommen lässt. „Nun sach doch mal, wie isse denn – die Sicht ?” Also gut denkt sich Basist, lässt den Kloputzeimer fallen, setzt sich das weiseste Gesicht auf das er aufbieten kann und antwortet: „Jut isse.
Das reicht aber dem Ankömmling nicht und er besteht auf einer Spezifikation im Metern und Zentimetern. Immerhin hängt nämlich davon ab, ob der rote Neopren ausgepackt wird oder doch vielleicht lieber der bewährte Schwarze. Auch die Wahl der Flossenfarbe soll darauf entschieden werden. Immerhin sind gelbe Flossen viiieeel weiter zu sehen als die Blauen. Im Straussee.
Hier bereut Basist zum ersten Mal an diesem Morgen, dass er seine Nachtruhe nicht auf der sechseinhalber Plattform verbracht hat, denn dann hätte er sagen können „Bis sechs Meter Tiefe vierfuffzig, bis zehn dreiachtzig und darunter unter einem, Temperatur Oberfläche exakt einundzwanzigkommazwo Grad Celsius, erste Sprungschicht bei fünfsiebzig, Temperatur vierzehnkommafünneff, ab zehn deutlich kühler, nur noch zwölf grad, Strömung konstant Null aus der Mitte und Hecht heute bei Kompasspeilung zweihundetfünfgrad, Tauchzeit zweiminutendreißig in vier Metern Tiefe.” Kann er aber nicht sagen, weil er eben doch lieber die Nacht zu Hause im Bett verbracht hat. Also hebt Basist die Hand, schaut wissend in den Himmel, beobachtet den Zug der Wolken, steckt seinen Finger in die Luft, befragt den Rest in seiner Kaffeetasse und sagt „Vier Meter”.
„Na das geht ja” antwortet ihm Ankömmling und macht sich glücklich daran seine Doppelzwölfer aus dem Auto zu wuchten.
Leider kann er nicht wissen, das Basist seine eigene Interpretation von Sichtweiten hat. Ein Meter nach vorne, einen nach hinten, einen nach Oben und einen Unten macht schließlich auch vier Meter aus. Und sollte es doch tatsächlich vier Meter Horizontalsicht heute haben, dann werden daraus ganz rasch sechzehn Meter Sicht Blickfeld. Und dass ist mehr als Ankömmling in seinem Plattenbauwohnzimmer hat.

Bis denne

Euer Basist



2 Antworten zu “Das Orakel von Strausberg”

  1. Rainer sagt:

    Hey Basist, das macht ja gespannt sein auf Deinen nächsten wahren Bericht von der Basis.
    Ich wünsch Dir allzeit einen klaren Blick für die wirklich wichtigen Erkenntnisse. Ich freu mich auf Dein nächstes Auftauchen.

  2. bediver sagt:

    Hey Basist

    ich habe selten so doll gelacht – aber du musst sicher viel um her gekommen sein – denn so läuft es fast auf allen Basen ab – grins -
    aber nun weis ich auf was ich achten muss wenn ich mal bei euch zum Tauchen aufschlage – also nicht vor 9 fragen und auch nicht den Roten Neopren vergessen mit den Blauen Flossen ….. grims …. aso und endlich verstehe ich die sichtweitenangabe die immer bei 200 Bar steht

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